„Ich bin nicht fotogen“ – warum das nicht stimmt
Diesen Satz höre ich vor fast jedem Shooting. Und jedes Mal denke ich: „Wenn du sehen könntest, was ich sehe.“ Denn „nicht fotogen“ zu sein, ist kein fester Zustand, keine Eigenschaft, mit der man geboren wird. Es ist ein Gefühl – ein hartnäckiger Gedanke, der sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, gespeist aus unsicheren Momenten, unglücklichen Bildern, Kommentaren auf dem Schulhof, Vergleichen mit anderen oder aus Spiegeln, die nicht das zeigen, was man selbst gern sehen würde. Kein Mensch kommt „nicht fotogen“ zur Welt. Aber viele kommen irgendwann zu der Überzeugung, sie müssten für die Kamera jemand anderes sein, um gut auszusehen.
Was Menschen wirklich meinen, wenn sie „nicht fotogen“ sagen
Wenn Menschen diesen Satz aussprechen, steckt dahinter fast immer etwas Tieferes. Oft meinen sie, dass sie Angst davor haben, bewertet zu werden. Sie fürchten, etwas falsch zu machen, weil sie nicht wissen, was man vor der Kamera von ihnen erwartet. Viele sagen „Ich bin nicht fotogen“, weil sie sich selbst auf Fotos nicht wiedererkennen und das Gefühl haben, dass dort jemand Fremdes zu sehen ist. Andere empfinden Unsicherheit im Umgang mit ihrem Körper, mit ihrer Haltung oder mit ihrem eigenen Ausdruck. All diese Gedanken haben jedoch nichts mit Fotogenität zu tun. Sie haben mit Vertrauen zu tun – mit dem Vertrauen in den Moment, in den Raum, den man bekommt, und in die Möglichkeit, so sein zu dürfen, wie man ist.
Warum Fotogenität nicht in der Kamera liegt
Fotogenität entsteht nicht durch perfekte Gesichtszüge, besondere Symmetrien oder bestimmte Proportionen. Sie entsteht in dem Moment, in dem ein Mensch bei sich selbst ankommt. Wenn die innere Anspannung nachlässt, wenn die Atmung ruhiger wird, wenn der Körper sich weicher anfühlt und wenn man aufhört, etwas darstellen zu wollen. In genau diesem Augenblick entsteht eine Echtheit, die sich auf jedem Bild wiederfindet. Und meine eigentliche Aufgabe als Fotograf liegt genau darin: diesen Moment sichtbar werden zu lassen, ihn einzufangen, ohne ihn zu stören.
Wie wir gemeinsam dahin kommen
Damit dieser Moment entstehen kann, braucht es Zeit und ein Miteinander. Ich stelle Fragen, die dir helfen, anzukommen. Ich höre zu und lasse Pausen zu, in denen du dich selbst spüren kannst. Ich gebe dir Raum, dich zu bewegen, zu atmen, dich zu sortieren. Wir gehen bewusst langsam, achtsam und ohne jeden Druck. Du musst nichts leisten und du musst nichts können. Du darfst einfach da sein. Für manche Menschen öffnet sich der Moment der Echtheit schon nach wenigen Minuten, für andere erst nach einer halben Stunde oder später – aber er kommt immer. Und genau dann entstehen die Bilder, in denen du dich selbst wiedererkennst.
Du bist nicht unfotogen. Du bist vielleicht nur noch nie wirklich gesehen worden.
Das ist der entscheidende Unterschied. Fotogenität ist keine Frage des Aussehens, sondern des Gesehenwerdens. Und ich verspreche dir: Wenn du mir vertraust, zeige ich dir eine Version von dir, die du wiedererkennst – und vielleicht sogar neu lieben lernst.








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