Scheidungsfotograf Berlin

Scheidungsfotos

Kann ich das überhaupt anbieten, Scheidungsfotos? Schließlich fotografiere ich ja Hochzeiten und freue mich immer sehr mit meinen Brautpaaren über die Eheschließung und das gemeinsame Fest! Ich freue mich über die vielen schönen Emotionen am Hochzeitstag. Der Schönste Tag im Leben ist es für die Brautleute, Verwandten und Freunde. Dabei entstehen bei einer Reportage viele Erinnerungsstücke an die Trauung und die gemeinsame Feier. Und dann? Rund ein Drittel aller Ehen werden in Deutschland im Schnitt nach 15 Jahren geschieden. Die Liebe ist verflogen, meist bleibt nur ein Scherbenhaufen und jede Menge Ärger übrig. Und oft auch das Brautkleid.

Fotoshooting

Scheidungsfotos

Bei der Scheidungsfotografie geht es nicht nur um die Scheidung im herkömmlichen Sinne, sondern eher um das Scheiden vom Brautkleid. Der Abschied vom Brautkleid ist eine Möglichkeit den Trennungsschmerz zu verarbeiten.

Wie bei den Hochzeitsfotos möchte ich auch bei den Scheidungsfotos Emotionen festhalten. Trauer, Wut, Enttäuschung, aber auch Hoffnung und Zuversicht für das Leben nach der Scheidung . Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Und es bleibt der Braut überlassen, ob das Kleid überlebt.

Vor dem Fotoshooting besprechen wir ausführlich, wie die Bilder aussehen sollen. Das eigentliche Fotografieren wird rund 2 Stunden dauern.

Interview

in der TAZ

WIE MACHEN SIE DAS?

Scheidungs-fotograf

Boris Mehl, 49, ist als nebenberuflicher Familien- und Hochzeitsfotograf in Berlin unterwegs. Vor zwei Jahren kam er auf die Idee, auch gescheiterte Ehen mit der Kamera festzuhalten.

taz am wochenende: Herr Mehl, Sie fotografieren Menschen, die gerade eine Scheidung hinter sich haben, und sorgen dafür, dass dabei schöne Bilder herauskommen. Wie machen Sie das?

Boris Mehl: Ich treffe die Kunden vorher, frage viel nach und gehe auf Wünsche ein. Kommunikation ist in der Vorbereitung für das Fotoshooting sehr wichtig. Am Ende sollen nicht nur die Fotos schön werden, es soll auch ein schöner Abschluss dieses Lebensabschnitts sein.

Kommen die Paare denn gemeinsam auf Sie zu?

Nein, das hatte ich noch nicht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es für beide Seiten funktioniert. Es sind meistens Frauen, die danach fragen. Wäre aber sicher mal interessant.

Sind Männer zu stolz?

Das würde ich so nicht sagen. Jeder Mensch hat einfach eine andere Art, mit dem Abschied umzugehen.

Wie sieht das perfekte Scheidungsfoto aus?

Das gibt es nicht. Es ist eher das Erlebnis, das in Bildern festgehalten wird. Ein Abschließen mit dem alten Lebensabschnitt und zeitgleich ein Neubeginn.

Geht es dabei manchmal emotional zu?

Nein, das Emotionale, die Trauer, haben die Menschen meist hinter sich. Vielleicht kann man es so formulieren: Es geht mehr darum, den Sack zuzumachen. Der Fokus liegt darauf, nach vorne zu blicken.

Auf Ihrer Webseite sieht man eine Frau, die das Brautkleid zerschneidet.

Es gab zwei, drei Anfragen dafür und auch ein Shooting, das zustande kam. Da wünschte sich eine Kundin tatsächlich, das Kleid zu zerstören, also zu zerschneiden und zu verbrennen.

Wie ist denn die Stimmung am Set?

Relativ gelöst. In der Regel herrscht gute Laune, und das Erlebnis steht im Mittelpunkt.

Woher stammt die Idee?

Die hatte ich in einer Kneipe beim zweiten Bier. Dann habe ich festgestellt, Scheidungsfotografie gibt es wirklich noch nicht.

Bieten das mittlerweile viele Fotografen an?

In Deutschland gibt es noch ein paar mehr. Zwei findet man auch über Google, aber wir kennen uns nicht. In Berlin weiß ich von niemandem sonst.

Steigt denn die Nachfrage?

Da gibt es keine Änderungen. Vielleicht ist das abhängig von der Anzahl der Scheidungen pro Jahr.

Was macht mehr Spaß: Scheidungs- oder Hochzeitsfotos?

Hochzeiten, auf alle Fälle. Das sind wirklich tolle Feste und es ist so viel echte Freude mit dabei. Scheidungsfotos sind dann doch eher inszeniert, ich fotografiere lieber lebendige Situationen.

Interview: Simon Wörz

Scheidungsfoto
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Scheidungsfoto

Interview im edit-Magazin :

Warum immer nur die schönsten Momente im Leben fotografieren?

Das Ende einer Ehe – der Start eines neuen Lebens: Das hält ein Scheidungs-Shooting fest.
Ob als feierlicher Anlass oder trauriger Abschied bleibt der Ex-Braut überlassen.

Das Brautkleid sitzt, Haare und Make-up sind perfekt. Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel, während sich Nervosität und Vorfreude breit machen. Vieles erinnert an den ehemals „schönsten Tag”. Doch heute wird die Kamera festhalten, wie sich die Braut von dem Leben befreit, das sie damals begonnen hat. Dabei wird auch mal das gerahmte Hochzeitsbild zerstört.

Warum nur die schönen Momente?

Nur wenige Geschiedene beschließen in Deutschland ihr Ehe-Aus fotografisch festzuhalten. Und nur eine Handvoll Fotografen bieten diese Möglichkeit dazu. Einer davon ist Boris Mehl, der sein erstes Scheidungs-Shooting vergangenes Jahr schoss.

Der Berliner Fotograf begleitet normalerweise Hochzeiten und andere Feierlichkeiten. Die Idee zum Scheidungs-Shooting kam ihm eines Abends im Gespräch mit Freunden.
„Man steckt so viel Energie und Zeit in den schön

Mal ernst, mal heiter

Stück für Stück trennt sich Tanja von den Erinnerungen an die Hochzeit. Sie zertritt das gerahmte Hochzeitsfoto mit dem Absatz. Ein Zweites zerreißt sie in Stücke und wirft die Fetzen befreit in die Luft. Mit dem Shooting zelebriert sie ihren Neuanfang. Von Reue oder Trauer keine Spur.

Dass es sehr heikel sein kann, die Gefühle nach einer Trennung fotografisch einzufangen, weiß Boris. Deshalb ist es ihm wichtig, keinen Einfluss darauf zu nehmen. Sein Motto lautet „Keep it real”. Im Vorfeld jedes Shootings steht deshalb ein Gespräch. Man trifft sich auf ein Bier und lernt sich kennen. So baut der Fotograf ein Vertrauensverhältnis auf, damit sich die Kunden in seiner Gegenwart wohlfühlen. Während des Shootings nimmt Boris nur auf, was passiert. So werden die Bilder echter, findet er.

„Die Gefühle, die da sind, nehme ich auf. Ich bin einfach da und fange das ein, was passiert.”

Boris Mehl

Auch Tanja lässt ihren Gefühlen während des Shootings freien Lauf. Sie greift zur Schere und macht sich daran, das Brautkleid, das sie trägt, vom Saum aufwärts zu zerschneiden. Zum krönenden Abschluss wirft sie die weißen Überreste auf den Boden und setzt sie in Flammen. In ihrer schönsten Unterwäsche und dem Sekt in der Hand begießt sie ihren Neuanfang.

sten Tag des Lebens. Wenn man dann feststellt, dass es das doch nicht war, kann man die Emotionen, die dort entstanden sind, auch über den anderen Weg wieder auflösen.“

Tatsächlich findet er eine Frau, die bereit dazu ist, diese Emotionen mit ihm zu teilen. Tanja* hat sich letztes Jahr scheiden lassen. Eine schmerzhafte Erfahrung, die aber auch eine neue Erkenntnis mit sich brachte: Ohne ihren Partner ist sie stärker. So ist das Shooting für sie auch ein Grund zum Feiern. Zwischen den aufgeschütteten Sandbergen der Kiesgrube herrscht eine geschützte Atmosphäre, um den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dafür hat Boris das Set extra ausgewählt.